Für eine längere Zeit raus aus dem Job, damit man sich um das eigene Kind kümmern kann: Perspektive für immer mehr junge Väter, aber in der Schweiz eher schwierig.
Begünstigt durch die Informationen, die man aus anderen Ländern wie Schweden oder auch Deutschland kennt, hat mich der Gedanke einer eigenen Babypause immer wieder beschäftigt. Die Idee selbst z.B. einen Monat aus dem Job auszusteigen und sich anstelle von Esther voll um unser Kind zu kümmern, gefällt mir. Ich fürchte nur, dass es dazu dieses Mal wohl nicht kommen wird, da die Rahmenbedingungen dafür nicht ideal sind.
Auch wenn Männer heute ganz anders in den Prozess der Erziehung involviert sind, als das bei unseren Eltern der Fall war, ist die Rollenverteilung in der Schweiz noch eher klassisch. Kindererziehung und Haushaltsführung liegen schwerpunktmässig meist an den Frauen, und ab zwei Kinder bleiben viele Frauen erst einmal zu Hause. Der Vater auf der anderen Seite erhält bei der Geburt des Kindes in der Regel zwischen 1 und 4 Tage Urlaub. Viele nehmen zusätzlich noch 1 bis 2 Wochen dazu, aber das wars dann auch schon.
Ich empfand es immer als Luxus für eine Frau, die bekannten Prozesse und Abläufe der Berufstätigkeit für einen beschränkten Zeitraum einmal verlassen zu können und den Freiraum zu haben, sich mit einer völlig anderen Thematik beschäftigen zu können.
Für den Mann würde es die Möglichkeit eröffnen, die Entwicklung des Kindes ganz anders wahrzunehmen. Zudem entsteht unweigerlich ein ganz anderes Verständnis für diese Phase der kindlichen Entwicklung. Letztendlich gibt es einem die Möglichkeit sich auch selbst noch einmal in einer neuen Rolle wahrzunehmen.
Was ich sehr spannend finde, ist die Tatsache, dass insbesondere in den skandinavischen Ländern sogar teilweise eine Pflicht besteht, als Mann eine solche Babypause anzunehmen, wenn man keine Einkommensverluste in Kauf nehmen möchte. Dies ist eine diametral andere Voraussetzung als bei uns, wo praktisch keine gesetzlichen Rahmenbedingungen für eine Babypause für den Mann bestehen.
In Skandinavien sind die gesetzlichen Regelungen klar auf die Umverteilung von Familienarbeit und Erwerbsarbeit zwischen Männern und Frauen ausgerichtet.
In Schweden erhalten beide Elternteile in der Babypause 80 Prozent ihres Gehaltes, in Norwegen sogar bis zu 100 Prozent. Der Vater erhält zudem zehn Tage Vaterschaftsurlaub und zwei Papamonate.
In Island geht man sogar noch weiter, die Elternzeit wird strikte aufgeteilt. Drei Monate erhält der Vater, drei die Mutter und weitere drei Monate für beide, bei jeweils 80 Prozent des Gehalts. Neun von zehn Vätern nehmen diesen Elternurlaub in Anspruch.
Nur wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen für solche Modelle geschaffen werden, wird eine gesellschaftlich gestützte Änderung in diese Richtung auch hierzulande stattfinden. Ohne gesellschaftlichen Willen dazu geht so etwas jedoch nicht. Deutschland macht gerade einen solchen Veränderungsprozess durch.
Bei uns wird es wohl noch etwas dauern, bis ein solcher Schritt getan wird. Und der Wunsch, nach einer Babypause für den Mann scheitert somit unweigerlich an eintretenden Einkommensverlusten, der Angst vor einem möglichen Karriereknick sowie mangelnder sozialer Akzeptanz.
Wie ist Eure Einstellung zu diesem Thema?
Ja André, genau so empfinde ich das auch.
Unser Kind ist nun 22 Monate. Die ersten 8 Monate konnte ich beim Kind sein, anschliessend bis heute ist mein Mann zu 80% zu Hause. Ich selber arbeite 80%. Für mich war es sehr schön und wertvoll zu sehen, dass mein Mann soviel Zeit mit unserem Kind verbringen konnte. Ich habe auch festgestellt, dass es etwa nach halb Zeit eine Verlagerung gab, dass es auch stärker Papi suchte, wenn ich zu Hause war. Heute kann es etwa gleich stark auf mich wie auf meinen Mann zurück greifen um Freude zu teilen oder Traurigkeit.
Ich kann es nur empfehlen. Ab März starten wir mit 3 Tage Kita pro Woche und mein Mann arbeitet wieder mehr. Das war keine freiwillige Entscheidung. Aber wir sind dankbar, dass wir unserem Kind wenigstens die ersten 22 Monate Zeit bieten konnten um eine sichere Bindung zu beiden Elternteilen aufbauen zu können.
Ein nordisches Erziehungskonzept hätten wir uns seehr! gewünscht und würde auch etwas zur Gleichberechtigung (Karriereknick bei Frauen) beitragen.